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Dienstag, 4. Februar 2014

Die pastoralen Herausforderungen der Familie im Kontext der Evangelisierung

Zur Vorbereitung einer außerordentlichen Synode zu Ehe und Familie hat der Vatikan die Ortskirchen zur Mitarbeit aufgefordert. Dazu wurde ein Fragenkatalog verschickt, der in Deutschland in unterschiedlichster Aufbereitung als "Fragebogen" von jedermann und jeder Frau beantwortet werden konnte.

Nun sind alle Ergebnisse zusammengetragen, von der Bischofskonferenz gesichtet und die Ergebnisse in dem zusammenfassenden Dokument "Die pastoralen Herausforderungen der Familie im Kontext der Evangelisierung" bewertet worden. Manche kritisieren, dass das Ergebnis nicht unter statistisch überprüfbaren Bedingungen erhoben wurde. Doch ich bin mir sicher, auch eine teure Erhebung würde zu keinem anderen Ergebnis führen und wäre daher rausgeschmissenes Geld.
 
Inzwischen trudeln die ersten Einschätzungen zu dem Papier ein. Es wird überwiegend positiv bewertet. Hier z.B. von der kfd , vom ZDK und vom bdkj um nur drei der wichtigsten Laienorgane in der katholischen Kirche zu benennen.
 
Angeregt durch den lesenswerten "Die Welt"-Artikel "Deutschlands Bischöfe setzen Papst unter Druck" habe ich mir mal das Originaldokument angesehen und bin angenehm überrascht. Nichts wird darin beschönigt, die Situation wird so beschrieben, wie sie ist, sehr trocken und sehr transparent.
 
Die Bischöfe erwähnen zu Beginn anerkennend die breite Beteiligung an der Beantwortung der vatikanischen Fragen:
Im Gesamtergebnis beruht diese Zusammenfassung auf einer breiten Beteiligung der Gläubigen. Das in der Kürze der Zeit entfaltete Engagement sowohl der einzelnen beteiligten Personen als auch der mit der Sichtung und Systematisierung befassten Institutionen ist beachtlich.
Hier einige Zitate aus dem Dokument und meine Kommentare dazu:
Die meisten Gläubigen bringen mit der Kirche einerseits eine familienfreundliche Haltung, andererseits eine lebensferne Sexualmoral in Verbindung. Grundsätzlich gilt für gesamtkirchliche Verlautbarungen, dass ihr sprachlicher Duktus und ihr autoritativer Ansatz nicht dazu angetan sind, das Verständnis und die Akzeptanz der Gläubigen zu wecken und zu finden. Deshalb ist die Bereitschaft zur Auseinandersetzung gering.
Genau so erlebe ich das auch: wenn ich mit Leuten über dieses Thema spreche und in der eigenen Auseinandersetzung mit gesamtkirchlichen Verlautbarungen. Die darin verwendete Ausdrucksweise motiviert nicht gerade zur Auseinandersetzung mit den Inhalten.
 
Wie wird nun die kirchliche Lehre aufgenommen? Die Bischöfe unterscheiden in ihrem Papier zwischen einem kircheninternen und einem externen Verhalten dazu:

kirchenintern:
Die kirchlichen Aussagen zu vorehelichem Geschlechtsverkehr, zur Homosexualität, zu wiederverheirateten Geschiedenen und zur Geburtenregelung finden hingegen kaum Akzeptanz oder werden überwiegend explizit abgelehnt. Das katholische Familienbild wirkt auf viele zu idealistisch und lebensfern.
von außen:
Außerhalb der Kirche wird die kirchliche Sexualmoral als reine „Verbotsmoral" wahrgenommen und in Argumentationsduktus und Sprache als unverständlich und lebensfern bewertet. Die kirchliche Weigerung, homosexuelle Lebenspartnerschaften gesellschaftlich und rechtlich anzuerkennen, wird darüber hinaus als Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung verstanden.
Als Ursachen dafür werden gesellschaftliche und kulturelle Faktoren sowie die Säkularisierung genannt, aber auch Kommunikationsprobleme der katholischen Kirche selbst: 
Zu den gesellschaftlichen und kulturellen Faktoren, die die Kommunikation der kirchlichen Lehre erschweren, gehört eine fundamentale Veränderung und Pluralisierung des Familienbegriffs, ebenso auch die Privatisierung der Sexualmoral und menschlicher Beziehungen überhaupt. Für die meisten gehören Fragen der Sexualmoral zum Intimbereich des Einzelnen bzw. der Partner, auf den Institutionen nur beratend, nicht aber normierend Einfluss nehmen dürfen. Der soziale, auch öffentliche Austausch zu Themen von Ehe und Familie wird wertgeschätzt, sofern die Gewissensentscheidung des Einzelnen respektiert wird. Die Säkularisierung der Gesellschaft und Kultur macht es für die Kirche schwierig, die religiöse und spirituelle Dimension von Ehe und Familie zu kommunizieren. Sprachlich und inhaltlich sind die theologischen Aussagen für die meisten Menschen unverständlich. Schließlich wird es infolge der Pluralisierung von Lebensformen immer schwieriger, sozial verbindliche Vorgaben zu formulieren, die den unterschiedlichen Lebensverhältnissen gerecht werden.
Besonders interessiert ist der vatikanische Fragenkatalog an dem Begriff des "Naturrechts" und seiner Bedeutung bei Auseinandersetzung um den Themenkomplex Ehe und Familie. Ich gehe davon aus, dass außer einem sehr engen Kreis von sehr Informierten, niemand etwas mit diesem Begriff anfangen kann. Daher hier ein Verweis auf Tante Wiki. Mein Eindruck wurde durch das DBK-Dokument bestätigt:
Der Begriff „Naturrecht" ist in der Gesellschaft kaum bekannt. Er spielt auf institutioneller und erzieherischer Ebene sowie in der Alltagskultur praktisch keine Rolle. Auch in der akademischen Ethik- und Rechtsbegründung wird der Naturrechtsbegriff nur noch selten gebraucht.
Aber was hinter der Idee des Naturrechts steht, wird dennoch zumindest ausschnittsweise geteilt. 
Auch wenn eine explizit naturrechtliche Perspektive praktisch keine Rolle spielt, erfährt doch das gelingende Leben in einer stabilen Paarbeziehung und Familie eine ungebrochen hohe Wertschätzung in der Gesellschaft. Die Menschen wünschen sich auf Dauer angelegte Paarbeziehungen, die auf einer verlässlichen Wertschätzung des Partners beruhen. Insbesondere auch für Jugendliche und junge Erwachsene ist es ein sehr hoher Wert, ein gutes Familienleben zu führen.
Bei diesem Thema wird eine Spannung zwischen dem vatikanischen Denken, in dem dem "Naturrecht" eine große Bedeutung beigemessen wird, und der deutschen Wirklichkeit besonders deutlich: mehrere Fragen beziehen sich auf dieses Thema, das von der DBK bereits von vorneherein als für das Leben der Katholik_inn_en irrelevant beschrieben wird.
 
Nicht überraschend ist auch, dass die Unauflöslichkeit und Zweigeschlechtlichkeit der Ehe auch unter Katholik_inn_en zunehmend in Frage gestellt werden:
Während eine gewisse Dauerhaftigkeit und Verbindlichkeit wie auch das Monogamie-Prinzip als allgemeine Kennzeichen der Ehe eine breite Zustimmung in der Gesellschaft finden, wird das Prinzip einer strengen Unauflöslichkeit der Ehe mit der Konsequenz der Nicht-Zulassung einer erneuten Eheschließung von einer großen Mehrheit abgelehnt. Auch die Zweigeschlechtlichkeit der Ehe wird von einem größer werdenden Bevölkerungsanteil in Frage gestellt.
In der Ehevorbereitung wird durchaus versucht, die offizielle kirchliche Lehre zu vermitteln, in unterschiedlicher Intensität. Nüchtern stellen die deutschen Bischöfe jedoch fest, dass über das Traugespräch hinausgehende Angebote auf keine breite Resonanz stoßen:
Es werden je nach Diözese zwischen 10 Prozent und 60 Prozent der Paare erreicht, die kirchlich heiraten, durchschnittlich etwa ein Drittel. Vor allem die zeitaufwändigeren Ehevorbereitungsseminare werden nur von wenigen Brautpaaren besucht. 
Auch was das voreheliche Zusammenleben angeht, ist davon auszugehen, dass auch unter Katholik_inn_en
die „voreheliche Lebensgemeinschaft" nicht nur eine relevante, sondern eine nahezu flächendeckende pastorale Wirklichkeit ist. Fast alle Paare, die um eine kirchliche Trauung bitten, leben oft schon mehrere Jahre zusammen (Schätzungen liegen zwischen 90 Prozent und 100 Prozent). Dies wird von Katholiken in ähnlich hohem Maße wie von der Gesamtbevölkerung für in Ordnung befunden. 
Die Katholiken in Deutschland akzeptieren das Zusammenleben von unverheirateten Paaren ohne große Vorbehalte. Lediglich drei Prozent nehmen hier eine strikt ablehnende Position ein. 
 Ähnliches gilt für getrennt Lebende und wiederverheiratete Geschiedene:
Auch die getrennt Lebenden und die wiederverheirateten Geschiedenen sind zu einem selbstverständlichen Teil der pastoralen Realität in Deutschland geworden. In Deutschland wird etwa jede dritte Ehe geschieden, wobei die absolute Zahl der jährlichen Scheidungen zuletzt rückläufig war.  
Wobei
Ehen von Katholiken etwas stabiler sind als der Durchschnitt, die Differenz ist jedoch nicht sehr groß.
Von kirchlicher Seite her wird dieses Zusammenleben als "irregulär" bezeichnet. Dies wird von den Menschen her als weltfremd angesehen.
Die Getauften erleben ihre Situation nicht als eine irreguläre. Die Bezeichnungen „regulär" und „irregulär" werden von den Menschen in diesem Zusammenhang sogar deutlich abgelehnt, weil sie als ausgrenzend und diskriminierend empfunden werden, gerade den Familien gegenüber, die sowieso schon mit erschwerten Lebensbedingungen konfrontiert sind. Sie bewerten die eingegangene Trennung und den Aufbau einer neuen Beziehung als moralisch gerechtfertigt und erachten manchmal hingegen das Verbleiben in einer unzumutbaren Beziehung als Schuld.
An dieser Stelle wird deutlich, dass eine kirchlich harte, unnachgiebig enge Haltung gegenüber Menschen in Trennung und neuer Partnerschaft zu einer wachsenden Distanzierung von ihr führt. Wer sich nicht ernst und angenommen fühlt, wendet sich ab, nicht nur von der Institution, sondern auch vom christlichen Glauben.
Scheidung und Wiederheirat leiten oft einen Prozess der Distanzierung von der Kirche ein oder vergrößern die bereits bestehende Distanz zur Kirche. Mit einer Institution, die sie als ablehnend erfahren, möchten viele nichts mehr zu tun haben. Immer wieder führt diese Distanzierung von der Kirche auch zu einer Distanzierung vom christlichen Glauben, der ohne kirchliche Bindung und auf Grund der von der Kirche vertretenen und von den Menschen nicht verstandenen Inhalte immer unbedeutsamer wird. 
So wird die Kirche selbst schuldig an Geschiedenen und Wiederverheirateten durch ihre unnachgiebige Haltung und ist selber ein Glaubenshindernis.
Die meisten Katholiken, auch jene, die in einer intakten Ehe leben, können die Lehre der Kirche in diesem Punkt nicht nachvollziehen, sondern fordern eine Pastoral des Respekts vor der Gewissensentscheidung des Einzelnen und einen barmherzigen Umgang mit Scheitern, der auch einen Neuanfang und die Wiederzulassung zu den Sakramenten, insbesondere zur Eucharistie, ermöglicht.
Die Möglichkeit eines Nichtigkeitsverfahrens wird äußerst selten in Betracht gezogen, auch dort, wo es bekannt ist, da
die meisten Katholiken, deren Ehen gescheitert sind, sich nicht mit der Frage der Gültigkeit befassen, weil sie ihre oft langjährige Ehe nicht als „nichtig", sondern als gescheitert betrachten. Ein Verfahren der Annullierung wird daher oft als unehrlich empfunden. Sie erwarten, dass die Kirche ihnen – etwa nach der Praxis der orthodoxen Kirchen – einen Neuanfang in einer neuen Beziehung ermöglicht. 
Der kirchenrechtliche Ausschluss von den Sakramenten als Folge einer erneuten zivilen Eheschließung wird von den Betroffenen als ungerechtfertigte Diskriminierung und Unbarmherzigkeit empfunden. Der Ausschluss von der Eucharistiegemeinschaft wird besonders schmerzlich bei der Erstkommunionfeier der eigenen Kinder erlebt. Nicht selten führt dieser Ausschluss zu einem Abbruch auch der Eucharistiegemeinschaft der Kinder, denen das elterliche Vorbild gelebter Eucharistiegemeinschaft fehlt.
In der konkreten pastoralen Praxis wird in der Regel pragmatisch und eigenständig von und mit Paaren in dieser Situation umgegangen.
In der konkreten Seelsorge ist in vielen Fällen von einer Praxis des eigenständigen Hinzutretens zum Sakramentenempfang auszugehen. Nicht selten gibt es auch eine Praxis der Wiederzulassung zur Eucharistie, der in der Regel Gespräche mit dem Seelsorger vorausgegangen sind.
Allerdings hat dieses Handeln nur wenig Einfluss auf das grundsätzlich negative Bild von katholischer Kirche im Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen.
Einzelfallregelungen aber können den allgemeinen Eindruck, die Kirche handle unbarmherzig gegenüber wiederverheirateten Geschiedenen, nicht ändern.
In der Frage nach dem Umgang mit homosexuell liebenden Menschen wird, so wie ich es überblicke, das einzige Mal Bezug auf den Katechismus genommen mit der Bemerkung, dass die Katholik_inn_en in Deutschland hier mit seinen Vorgaben übereinstimmten:
Den Katholiken in Deutschland sind die Toleranz und die individuelle Wertschätzung gegenüber homosexuellen Menschen insgesamt gesehen sehr wichtig. Darin gibt es eine hohe Übereinstimmung mit der Mahnung des Katechismus der Katholischen Kirche: „Man hüte sich, sie in irgend einer Weise ungerecht zurückzusetzen." (KKK 2358) 
Diese Bemerkung finde ich sehr klug. Homophobie und Homosexuellenfeindlichkeit darf in Kirche und Gesellschaft keinen Raum haben. In der Frage nach einer Ehe und Kindern in homosexuellen Partnerschaften allerdings klaffen die Ansichten der Bischöfe und der Katholik_inn_en auseinander.
 
Befremdlich am Fragenkatalog fand ich die Frage nach der Erziehung und kirchlichen Begleitung von  Kinder in "irregulären" Ehesituationen. Wer käme denn auf die Idee, Kinder aufgrund der Lebensform ihrer Eltern unterschiedlich zu behandeln? Diese Vorstellung finde ich reichlich irrwitzig bis grausam! Und auch die Bischöfe bemerken glücklicherweise zum kirchlichen Angebot für Kinder und Jugendliche:
All diese Angebote stehen unterschiedslos allen Kindern offen.  
Konfessionsverschiedene Eltern von Kommunionkindern gehören dabei ebenso zum pastoralen Alltag wie Eltern, die in Scheidung, Trennung und zivil wiederverheiratet leben.
Auch die Frage der Empfängnisverhütung bringt keine Überraschungen. Die kirchliche Lehre wird rigoros abgelehnt und ignoriert.
Die Unterscheidung zwischen „natürlichen" und „künstlichen" Methoden der Geburtenregelung und das Verbot der letzteren von der großen Mehrheit der Katholiken als unverständlich abgelehnt und in der Praxis nicht beachtet.
Bei der Frage nach der Abtreibung allerdings ist es anders: 
Abtreibung wird von der großen Mehrheit der Katholiken abgelehnt.
Sie wird auch nicht als Möglichkeit zur "Familienplanung" angesehen, wie von extrem-konservativen Kreisen gerne unterstellt wird. Aus katholischer Sicht einzig erlaubt ist die Methode der "Natürlichen Familienplanung". Doch sehr realistisch bemerkt die DBK: 
Eine Minderheit von unter drei Prozent setzt sich für Methoden der Natürlichen Familienplanung (NFP) ein und praktiziert sie aus persönlicher Überzeugung, oft auch aus medizinischen Gründen.
Gefragt wurde von vatikanischer Seite auch, ob das Thema Empfängnisverhütung und Familienplanung in Beichtgesprächen thematisiert werden würde. 
Die Rückläufe aus den Diözesen stellen übereinstimmend fest, dass die Anwendung von „künstlichen" Methoden der Geburtenregelung von den Katholiken nicht als sündhaft betrachtet wird und folgerichtig auch nicht Gegenstand des Beichtgespräches ist. Die Frage von Sünde und Schuld stellt sich für die meisten eher im Blick auf die Beziehung der beiden Partner. Als sündhaft werden z. B. Untreue, Lieblosigkeit oder mangelnder Respekt bewertet.
Die kirchliche Lehre wird nicht nur abgelehnt, sondern im Gegenteil selbst als unethisch bewertet. 
Das kirchliche Verbot „künstlicher" Verhütungsmethoden, insbesondere des Gebrauchs des Kondoms, wird gerade auch im Blick auf die HIV-Prophylaxe nicht nur als lebensfremd, sondern explizit als unmoralisch bewertet.
Von der Gesellschaft wird hingegen das kirchliche Engagement für Familien sehr geschätzt. 
Die deutschen Diözesen unterstützen die Familien, indem sie beträchtliche finanzielle Mittel in Ausbau, Unterhalt und die Qualität von Kindergärten, Kindertagesstätten sowie Schulen investieren. In zahlreichen Einrichtungen und mit umfangreichen Beratungs- und Weiterbildungsangeboten bieten sie wertvolle Hilfestellungen und Unterstützung nicht nur in schwierigen Situationen. Mit diesem Engagement findet die katholische Kirche in Deutschland breite gesellschaftliche Anerkennung.
Hier kommt die Kirche ihrem eigentlichen Auftrag nach, was auf breite Wertschätzung trifft.
 
Selbstkritisch bemerken die Bischöfe, dass es oftmals sehr auf die Art und Weise ankommt, wie von dem kirchlichen Ehe- und Familienverständnis öffentlich gesprochen wird. Hardliner dürfen nicht auf Gehör hoffen. 
Rigorose Anforderungen, oftmals noch vorgetragen in einem juridisch eingefärbten Sprachduktus, führen zu einer ablehnenden Grundhaltung und verfangen dort nicht mehr, wo eine stärker beratende Ethik durchaus Gehör finden kann. Da, wo die Kirche deutlich machen kann, dass es ihr tatsächlich um ein gelingendes Leben in Gemeinschaft geht, wird sie auch dann wahrgenommen, wenn sie warnend oder mahnend die Stimme erhebt, um die Menschen zu überzeugen.
Der Ton macht eben die Musik und auch das ehrliche Bemühen um das Wohl ganz konkreter Menschen in ihrem realen Leben.
 
Zusammenfassend stellt die DBK fest:
Die Antworten aus den Bistümern machen deutlich, wie groß die Differenz zwischen den Gläubigen und der offiziellen Lehre vor allem hinsichtlich des vorehelichen Zusammenlebens, der wiederverheirateten Geschiedenen, der Empfängnisregelung und der Homosexualität ist. 
Einige Vorschläge werden dem Vatikan unterbreitet. Z.B. in Bezug auf wiederverheiratete Geschiedene. 
Ein Neuansatz erscheint auch im Hinblick auf die Beurteilung des „Scheiterns" menschlicher Beziehungen unabdingbar. In dieser Frage verstehen die Menschen, auch die Gläubigen, – so zeigen es die Antworten eindeutig – die Denk- und Argumentationsweise der Kirche nicht mehr. Es gilt hier, den Ort von Menschen aus gescheiterten ehelichen Beziehungen in der Kirche grundsätzlich neu zu bestimmen und die Frage nach einer Möglichkeit zur Wiederzulassung zu den Sakramenten konstruktiv und weiterführend aufzugreifen. Auch die Bedeutung von Segnungen für Menschen in schwierigen Situationen ist – in klarer Abgrenzung von sakramentalen Feiern – neu in den Blick zu nehmen.
Und es sollte zunehmend mehr mit Eheleuten und Familien geredet werden als über sie zu entscheiden.
Zuletzt kommt es auch in der Durchführung der Außerordentlichen Bischofssynode 2014 und der Ordentlichen Bischofssynode 2015 darauf an, die Eheleute und Familien tatsächlich als Subjekte der Ehe- und Familienpastoral ernst zu nehmen, sie in die Vorbereitungen aktiv einzubeziehen und sie an den Beratungen der Synode selbst in geeigneter Weise zu beteiligen.
Spannend bleibt, welche Ergebnisse aus anderen Ländern, Kulturen und Erdteilen den Vatikan erreichen und wie transparent die anderen Bischofskonferenzen mit ihren Ergebnissen umgehen. Das Schweizer Ergebnis beispielsweise unterscheidet sich kaum vom deutschen. Und spannend bleibt auch, wie mit diesen Ergebnissen bei der bevorstehenden Synode umgegangen wird. 
 
Eine notwendige Konsequenz finde ich bei den Schweizern besonders gut auf den Punkt gebracht:
Setzt man diese kirchenkritischen Ergebnisse mit dem grundsätzlichen Wunsch zu einer auch kirchlich-religiös geprägten Partnerschaft, Ehe und Familie ins Verhältnis, zeigt sich die dringende Notwendigkeit, den Status der kirchlichen Lehre über die Familie in Kirche und Seelsorge neu zu bewerten. 
Die Verabsolutierung einzelner Normen und Vorgaben der Kirche gegenüber konkreten Lebenserfahrungen und Lebenssituationen der Menschen muss aufgebrochen werden. Forderungen seitens der Kirche, nach denen Katholikinnen und Katholiken den konkreten Normen und Verhaltensvorgaben der Kirche unbedingten und kritiklosen Gehorsam zu leisten haben, schaden schlussendlich der Kirche in ihrem Anliegen, den Menschen die zentraleren und wichtigeren Aspekte ihrer Botschaft zu vermitteln.
Bei dem Nachdenken über die Konsequenzen, die sich aus den Umfrageergebnissen ergeben, sollte auch der Vatikan im Auge behalten, dass ich mich immer nur selbst, aber niemals jemand anderen ändern kann.

 

Kommentare:

  1. "Weltfremd" trifft den Nagel auf den Kopf. Genau so müssen damals diejeningen gedacht haben, von denen es heißt:

    "Viele seiner Jünger, die ihn hörten, sagten: Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören?"

    Und da wandten sich viele ab und gingen weg.

    Also alles wie gehabt, 2.000 Jahre hin oder her.

    "Und stellt euch nicht dieser WELT gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was GOTTES Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene."

    Aber das muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden - der HERR zwingt niemanden!

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    1. Wenn ich dann sage, nach bestem Wissen und Gewissen, nach reiflicher Überlegung und Gebet halte ich dieses oder jenes für den Willen Gottes, auch wenn es im Gegensatz zu einer offiziellen Lehre steht, werden Sie mir vorhalten, dass ich mich irre (was möglich ist), dass mein Gewissen nicht genügend ausgebildet ist, weil es nicht zu 100% gleichgeschaltet ist mit offizieller Lehre und dass es ohnehin irrelevant ist, was ich denke. Und so drehen wir uns fleißig im Kreis...

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    2. GOTT hat uns doch Seinen Willen offenbart! Seien wir froh und dankbar darüber, denn es hätte auch anders sein können. Als liebender GOTT will Er es uns aber so einfach wie möglich machen, damit wir zu Ihm finden. Er hat uns eben nicht im Unklaren gelassen, was Er von uns erwartet, sondern Er sagt ganz klar, was geht und was nicht geht. Niemand, der das Evangelium kennt, kann sich somit herausreden und sich auf sein Gewissen berufen.

      Jesus war kompromisslos, Er hat nicht mit den Menschen diskutiert, sondern sie gelehrt! Und sie vor die Wahl gestellt, auch Seine Apostel - "Wollt auch Ihr weggehen?" Und das fragt Er auch heute noch!

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    3. Nein, auch aus katholischer Sicht ist das Gewissen letzte Instanz! Es kann irren, keine Frage, aber wenn Gewissen gegen Gehorsam steht, ist dem Gewissen Folge zu leisten. (in gegenwärtiger Situation. Unter Unrechtsregimen kann es klüger sein, sein Leben durch Gehorsam zu bewahren.)

      Und nochmal nein: Mit der Frau am Jakobsbrunnen und anderen hat Jesus durchaus diskutiert! Er hat nie verurteilt. Selbst Äußerungen wie "Geh und sündige nicht wieder" tragen das Risiko in sich, dass jemand das nicht leisten kann. Und nochmal der Vergebung bedarf und wieder und wieder. 7 mal 77 mal. Gott ist da anders als Menschen.

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    4. Über das irrende Gewissen sagt der Katechismus u.a., dass,aus Unwissenheit Fehlurteile gefällt werden, etwa dann, wenn das Gewissen aufgrund der *Gewöhnung an die Sünde* allmählich fast blind wird. Neben schlechten Beispielen anderer Leute und Verstrickung in Leidenschaften werden auch Anspruch auf eine FALSCH verstandene GEWISSENSAUTONOMIE sowie *Zurückweisung der Autorität der Kirche und ihrer Lehre* genannt.
      Es soll ja auch Menschen geben, die in voller Absicht, dafür aber "guten Gewissens" gegen die geltenden Rechtsgesetze verstoßen. Sind diese dann moralisch entschuldigt?

      Gehorsam wem gegenüber? Es geht doch hier um die Gebote GOTTES. Wie muss man sich das denn vorstellen? Man studiert Seine Gebote und stellt an der einen oder anderen Stelle fest - ups, aber das kann ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren? Sorry, aber ich begreife es einfach nicht.

      Übrigens: "wer sein Leben bewahren will, der wird’s verlieren." Ob es diese Worte wohl waren, die einem Maximilian Kolbe durch den Kopf gegangen sind? Also ich für meinen Teil ziehe die christliche Klugheit der weltlichen vor.

      Bei der Frau am Jakobsbrunnen handelt es sich doch nicht etwa um eine Jüngerin und noch weniger war es eine Diskussion darüber, was falsch und was wahr ist. Und natürlich hat ER verurteilt und zwar die Sünde. Ich komme einfach aus dem Staunen nicht heraus, dass immer wieder zwischen Person und Sache nicht unterschieden wird. Dabei lernen das doch schon die Schulkinder im Deutschunterricht! Und Sünden vergeben kann doch nur GOTT. Ich kann einem anderen nur das vergeben, was dieser mir persönlich angetan hat.

      Sagen wir mal so: unser Schöpfer weiss wohl besser als wir, was Er uns zumuten kann oder nicht. Wenn aber der Geist zwar willig ist, aber das Fleisch schwach, dann bietet Er uns an, zu bereuen und umzukehren. Es immer wieder aufs Neue zu versuchen. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass Sünde eben Sünde bleibt.

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  2. Ich halte es da mehr mit Dr. A. Kissler: Die „Zusammenfassung der Antworten aus den deutschen Diözesen auf die Fragen im Vorbereitungsdokument für die III. Außerordentliche Vollversammlung der Bischofssynode 2014“ hält fest, womit zu rechnen war. Und findet weitere Antworten, die ein einziges großes Schweigen sind.

    Die katholische Lehre zu den angesprochenen Fragen ist von den deutschen Bischöfen seit Jahrzehnten nicht verkündet und somit auch nicht erläutert worden. Den Gegnern der katholische Lehre jedoch wird eine breite Plattform geboten, ihre Thesen unter die Leute zu bringen. Wer soll sich da noch über die Ergebnisse der Fragebogenaktion wundern?

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    1. Die Bischöfe wurden (leider) nicht unter Einbeziehung der Gläubigen eingesetzt, sondern durch den Willen des Papstes, des Lehramtes und - diese Denkweise konsequent weitergedacht - durch den Wunsch Gottes. Was also gibt Ihnen das Recht, eine Auswahl an Bischöfen zu treffen, die Sie kritisieren? Wenn die Vorgaben der katholischen Lehre für Sie Gesetz sind, müssten Sie dann nicht konsequenterweise unterstützen, welchen Bischof/welche Bischöfe auch immer Rom für Sie und unsere Kirche vorgesehen hat?

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